Wie alles begann
Eigentlich begann alles mit einem Defekt bei unserer Gasheizung, der leider auch nicht mehr zu reparieren war. Es musste also eine neue Heizung her…
Da wir bei einer früheren Wohnung gute Erfahrungen mit einem Grundofen gesammelt hatten, wollten wir dies auch für unsere jetziges Haus in Angriff nehmen. Der Grundofen sollte mitten ins Haus, mit einer Feuerstelle im Flur, einer Feuerstelle mit gleichzeitiger Kochmöglichkeit in der Küche sowie einer großen beheizten Wand mit integrierter Bank im Wohnzimmer wurde es zu einem recht großen Projekt. Und schön sollte es natürlich auch noch werden. Besonders die Ofenbank im Wohnzimmer, als Mittelpunkt des Hauses sollte gemütlich und gleichzeitig leicht werden. Wir wollten nicht von schweren Kacheln erschlagen werden oder dem Raum durch dunkle Fliesen die Weite nehmen.
Daher kam die Idee auf, auch dieses Projekt selbst in die Hand zu nehmen und die Fliesen selbst herzustellen. Hätte mir vorher jemand gesagt was damit auf mich zukommt hätte ich es mit Sicherheit gelassen….
Noch nie mit Ton in Berührung gekommen, noch nicht einmal in der Schule, begann ich im Internet zu recherchieren, erkundigte mich bei Ofenbauern und las Fachliteratur. Damit ich überhaupt einmal Ton in die Hände bekam, meldete ich mich kurzentschlossen zu einem Schnupper-Drehkurs in Köln an. Vielleicht konnte ich da mehr in Erfahrung bringen. Der Kurs gefiel mir super, das Drehen klappte erstaunlich gut, nur zur Fliesenherstellung an einer fertigen Ofenbank konnte man mir nicht wirklich weiterhelfen.
Kurzerhand bestellte ich mir Ton und versuchte probeweise mit einem 10 kg Hubbel mein Glück an der Bank. Eine Seite mit Folienunterlage und eine Seite ohne. Dabei kam schon einmal heraus das es auf jeden Fall ohne Folie gemacht werden muss und dass es unendlich viele Fliesen geben wird. So viele Fliesen, dass ich unmöglich alle bei einem Brennservice brennen lassen konnte. So machte ich mich auf die Suche nach einem Brennofen und wurde zum Glück ganz in der Nähe fündig. Ein alter Nabertherm aus dem Jahre 1974. Ein Riesenteil, zum Glück besitzen wir einen Trecker mit Frontlader. Ohne diesen hätten wir das alte Schätzchen vermutlich nicht die vielen Stufen nach draußen bekommen.
Der Probebrand mit den Testfliesen funktionierte super und auch der anschließende Glasurbrand machte keine Probleme. Eine Glasur gefiel uns besonders gut, diese sollte es dann auch werden.
Und ganz nach dem Motto wer nicht wagt der nicht gewinnt machte ich mich direkt an die komplette Ofenbank. Und auch da lief alles erstaunlich glatt. Das Schneiden der Fliesen an der Wand, das Abnehmen der lederharten Fliesen, das Versäubern, der erste Brand, das Glasieren und schlussendlich der Glasurbrand. Und dabei ging keine einzige Fliese kaputt… Glück muss man haben.
Und nun ist sie schon eine ganze Weile fertig unsere Ofenbank. Und sie ist genau das geworden, was ich mir gewünscht hatte. Ein Mittelpunkt in unserem Haus. Es vergeht kein Tag im Winter wo wir nicht auf ihr Platz nehmen und die Wärme genießen, wenn es draußen mal wieder allzu ungemütlich ist.
Und sie hat mich zu etwas ganz Neuem gebracht, was ich sonst vermutlich nie ausprobiert hätte…
Die Arbeit mit Ton begeistert mich weiterhin jeden Tag. Und dabei gefällt mir gerade die Vielfältigkeit und die unterschiedlichen Methoden um aus einem Stück Ton etwas ganz Besonderes zu machen.
